Everybody (ok, everybody living in Graz...) knows these City of Design slogans, black and white, hanging everywhere from FH walls to Schlossberg.




2,3,4,5,6,7 MAI 2011 – Südtirolerplatz – Mariahilferplatz – Stockergasse – Lendplatz – und weit darüber hinaus...
Eine Woche lang war der Grazer Bezirk Lend ein Zusammentreffen der Kreativen Köpfe der frisch gebackenen City of Design. Der Lendwirbel stellte die Stadt in einen Außnahmezustand der alle mit sich riss. Das Straßen- und Stadtteilfest machte viele Plätze des Bezirks zur Bühne von Bands. Die Musiker und ihre Instrumente umringt vom Publikum des Lendwirbels schaffen ein einzigartiges Musikerlebnis. Angesagte Bands und Djs aus internationaler und nationaler Herkunft bildeten diese musikalischen Hotspots.
Einer der musikalischen Hits war am letzten Tag des Lendwirbels die FM4 Rollschuhdisco & Parkplatzrave mit Kristian Davidek. Die Idee hinter diesem Projekt ist den Lifestyle der New Yorker Rollschuh-Disco die jeden Sonntag im Central Park stattfindet für einen Abend nach Graz zu holen. So wurde ein VW Bus zur transportablen Disco umfunktioniert, in dem man ihn mit 6.000 Watt Boxen und einem DJ-Pult am Dach aufgerüstet hat. Alles was Räder hat war herzlich willkommen und für Besucher ohne Rollschuhe war es sicher auch ein einzigartiges Erlebnis.
Installationen und Ausstellungen waren ebenso präsent. Wie beispielsweise die Ausstellung „Kunst essen, Kunst isst“ die den Besucher regelrecht verschluckt. Der Eingang der Ausstellung ist ein überdimensonaler Mund der einen fragt: „ Was frisst du, Was spuckst du?“. Die Besucher konnten im Inneren der Kleinausstellung mit Sprechblasen auf diese Fragen antworten.
Das Kunsthaus wurde am 2.Mai bei der Eröffnung zum interaktiven Spielzeug. Die beleuchtete Außenfassade stellte das Spiel Pong dar. Dieses Spiel konnte man über eine Konsole, welche auf der anderen Seite der Straße stand, steuern. Somit brauchte man nur noch zwei Spieler und etwas Geschick und das Grazer Kunsthaus ließ Zocker Herzen höher schlagen.
Viele Workshops und Stände waren ebenso Teil des Lendwirbels. Von einer Schallplattenbörse bis Kürbiskern Verkostungen, war für jeden Besucher etwas dabei. Kreativität kannte keine Grenzen! Die Straßen wurden bemalt, Zebrastreifen leuchteten in allen Farben. Das alten Hotel „Goldener Engel“ am Lendplatz, welches zum Abriss freigegeben ist, wurde noch zur Leinwand für Graffiti Künstler.
An jeder Ecke konnte man Künstlern über die Schulter schauen und ihre Fertigkeiten und Werke bestaunen. Manchmal kam es sogar zu kreativen Zusammenarbeiten, die unabgesprochen zustande kamen. Wie eine Gruppe Graffiti Künstler die eine Leinwand besprayten, während ein Saxophonist sie musikalisch begleitete, um mehr Publikum anzulocken.
Im Zuge des Lendwirbels waren nicht nur kreative, sondern auch sportliche Veranstaltungen, wie Fahrrad-Polo und Streetsoccer, vertreten. Das interkulturelle Fußballturnier sollte die Menschen verbinden, da lokale Migrantinnen-, Kunst-, Kultur-, Sport- und Sozialvereine, ebenso wie Passanten in das Turnier miteinbezogen wurden.
Der Lendwirbel will gemeinsam mit den Einwohnern der Stadt den Lebensraum der Grazer gestalten. Dazu gehören auch Kommunikativ kreative, kritische Aktionen im öffentlichen Raum und die Frage der Toleranz in unserer Gesellschaft. Diese Werte und dieses Anliegen haben sie hervorragend umgesetzt und die Einwohner von Graz können sich mit Sicherheit schon auf den nächsten Lendwirbel freuen.
Kurz darauf wurden wir lautstark zum Mariahilferplatz gelockt, wo bereits eine Meute von jungen Menschen den Künstler Johannes Grenzfurthner (von der Künstlergruppe monochrom) umkreiste – dieser hielt eine unüberhörbare Ansprache und forderte uns auf, mit ihm ein 5-Meter-Hendl in Graz zu jagen. Kurze Rede, kurzer Sinn und die Hendl-Jagd nahm seinen Lauf. Lärmend und bewaffnet gingen wir durch die Straßen und riefen immer wieder „Weg mit dem Huhn – es frisst unsere Kinder und unsere Haustiere!“. Verdutzte, amüsierte, aber auch ernste Blicke der Passanten folgten uns, aber leider gab es keine Spur vom 5-Meter-Hendl. Deshalb machten wir an einer Heiligenstatue halt, knieten uns hin
und baten den werten Himmelvater um Hilfe. Höflich dankten wir für das TV-Format „Bauer sucht Frau“ und schwangen unsere Fackeln zum Lied „Kumbaya my Lord„. Die aufgebrachte Meute avancierte kurzweilig zu einer besonnenen Truppe. Doch die Hendl-Jagd ging weiter, forderte sogar kaputte Strümpfe sowie frühzeitig abgebrannte Fackeln. Dann kam uns die glorreiche Idee, im Supermarkt unser Glück zu versuchen – jedoch fanden wir nur gerupftes, in Plastik verpacktes Geflügel. Doch wir gaben die Suche nicht auf, bis wir beim ehemaligen Taggerwerk ein Riesenhuhn entdeckten. Voller Euphorie sprangen wir über den Zaun um das Federvieh zu fangen, doch vergebens. Das Hendl war bereits im Suppentopf gelandet und die Hühnerjagd voller Ironie endete so prompt wie sie begann, mit dem Satz:„Die Bauern machen die Arbeit und kriegen nichts dafür!“. Wahrere Worte hört man selten.
Die Hühnerjagd „Chickzilla“ entpuppte sich als die Guerilla-Werbeaktion des „bok bok book“ (die neue Publikation des FH-Studiengangs Informationsdesign), die im Taggerwerk den Höhepunkt fand.
Im Anschluss der Buchpräsentation, fand das Opening des Designmonat Graz 2011 statt. Zugegebenermaßen präsentierte sich das ehemalige Taggerwerk als interessanter Veranstaltungsort und man darf auf neue Events gespannt sein.
Vielseits beworben ging gestern, am 6.5.2011, die Eröffnung des diesjährigen Designmonats von der Bühne. Die offizielle Eröffnung war jedoch tragisch unspektakulär im Vergleich zur persönlichen Eröffnung, die Kathi und ich miterleben durften. Es fing ganz harmlos an: eine Ringvorlesung, organisiert von Karl Stocker und Josef Gründler, Studiengangsleiter der FH Joanneum, sollte uns in das Thema „Designing Cities, Designing Regions, Designing the World” einführen. Eine rührende Eröffnung von ebendiesen, bei der wir einige interessante Details erfahren durften (wie Zusammenarbeiten zwischen Herrn Stocker und den Vortragenden), machte uns neugierig auf den Inhalt der Vorträge. Eine obligatorische Kurzrede von Eberhart Schrempf (Geschäftsführer der Creative Industries Styria) später, begab sich der erste Sprecher, Jarmo Eskelinen aus Finnland, auf die Bühne.
Sein Vortrag war an sich interessant, leider war es relativ schwer ihn zu verstehen: der typisch finnische Akzent machte es nicht leicht ihm zu folgen.
Ein Ausspruch blieb uns jedoch im Gedächtnis: „Three or four years earlier, all Finnish people lived in the woods: then came Nokia.“
Eine kurze Erklärung zu Eskelinen: er ist Teil des Forum Virium (Link: http://www.forumvirium.fi/en), einem finnischen Kollektiv das sich dazu entschieden hat, Projekte aus den Bereichen Media, Learning, Wellbeing [sic] und Smart City zu bearbeiten und arbeitet eng mit der University of Art and Design Helsinki zusammen. Eskelinen selbst schlug diesen Weg erst als dritte Laufbahn ein: zuvor war er Architekt und Eventmanager. Das Thema das ihm beim Vortrag jedoch am Meisten am Herzen lag, war nicht Forum Virium oder die finnische Designszene, sondern public data. Bei diesem Thema bekam der gedrungene Mann im Anzug einen feurigen Ausdruck in den Augen. Seiner Meinung nach sollten open data und open government approaches weiterverfolgt werden, dies sei der einzige Weg dem Volk ein wirkliches Mitspracherecht zu gewährleisten. Allerdings wären die Gegenmaßnahmen des Staates zwar subtil und fies: man möge sich nur Julian Assange anschauen … kein vermeintlicher Vergewaltiger würde so sehr gejagt.
Zum Abschluss lud er noch ein nächstes Jahr in Helsinki vorbeizuschauen, zum Helsinki Design Year. Mal schauen.
Der zweite Vortragende war Arhan Kayar, der Organisator der Istanbul Design Week (Link: http://www.istanbuldesignweek.com/). Seine Rede war, rein subjektiv beurteilt, mehr ein Werbevortrag für zukünftige Istanbul-Touristen. Die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft seiner Heimat wurden in zahlreichen bunten Bildern gezeigt: keine Frage, eine schöne Stadt. Die wirklich spannenden Dinge über die Istanbul Design Week, wie dass Kayar keinerlei staatliche Förderungen dafür bekommt und das ganze Event rein durch Kooperationen und seine eigene harte Arbeit finanziert wird, wurden im Vorfeld von Karl Stocker und im Nachfeld von Jochen Sandig (Berlin, Radialsystem) erläutert. „A real self-made man!“, wie Stocker meinte. Das nenne ich ein durchaus beeindruckendes Unterfangen und wir hätten gerne mehr darüber erfahren, wie man so etwas am besten angeht.
Der letzte Gast (#4, Bernd Fesel, fiel bedauerlicherweise aus) kam aus Berlin. Joc
hen Sandig ist eine sehr beeindruckende Persönlichkeit, der sich ohne falsche Bescheidenheit und dennoch mit einer erfrischenden down-to-earth-Einstellung präsentierte. Er gründete 1990 das Berliner Kunsthaus Tacheles (Link: http://super.tacheles.de/cms/) und war lange Jahre für das dortige künstlerische Programm zuständig. Nach verschiedensten Tätigkeiten (Gründung eines Tanzensembles mit Sasha Waltz; Gründung der Sophiensaele, einer Produktionsstätte für Theater und Tanz; Arbeit an der Schaubühne am Lehniner Platz etc.) gründete er gemeinsam mit Folkert Uhde schließlich Radialsystem V (Link: http://www.radialsystem.de/rebrush/index.php). Radialsystem ist ein Ort der dazu dient, Künstlern und Kunstbegeisterten einen Raum zu bieten, in dem sie sich entfalten können. Sandig betonte das dialogische Prinzip hinter Radialsystem: Kunst und Wirtschaft sollten nicht konkurrieren, sondern sich im Dialog zusammenschließen. Nach diesem Prinzip funktioniert auch sein „new space for the arts in Berlin“: jede Idee, jede Kunstform ist gleichwertig und herzlich willkommen, und um diese zu finanzieren wird sein Gebäude für verschiedenste Veranstaltungen auch vermietet. Einige großartige Ideen wurden ebenfalls vorgestellt, wie die Piano City (Link: http://www.pianocity-berlin.com/): ein Projekt das sich dem Umstand zunutze macht, dass es unzählige talentierte Klavierspieler gibt, die es jedoch niemals in eine Konzerthalle schaffen werden. Sandig schuf ein virtuelles Auditorium, auf dem Klavierspieler allerorts ihre Künste der Welt zeigen können. Kunst, für alle zugänglich. In der anschließenden Diskussionsrunde erfuhren wir, dass Sandig seine Angestellten zwar bezahlt, selbst aber kein Geld einbehält: er finanziert sein Leben ausschließlich durch seinen Zweitjob bei seiner Frau Sasha Waltz. Respekt, Herr Sandig! Sie predigen Wasser und trinken es auch. Und das mit Genuss!
Fortsetzung folgt in Teil 2: Jagd auf das 5-Meter-Huhn, ein Lynchmob; die Präsentation des Hühnerbuches des Studiengangs Informationsdesign; die offizielle Eröffnung des Designmonats.
Abstract Design Month-Opening
16:00 Designing Cities, Designing Regions, Designing the World | Lectures, Minoriten, Mariahilferplatz
17:30 Chickzilla | Flashmob, Minoriten, Mariahilferplatz
18:00 Bok Bok Book | Presentation, former Taggerwerk, Puchstraße 17
20:00 Design Month-Opening 2011 | former Taggerwerk, Puchstraße 17
Full report and photos coming soon!